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Raus aus dem Homeoffice, ab ins Ladenlokal – mein erstes Fazit

In den letzten Wochen hat sich meine Arbeitssituation sehr verändert. Immer mehr habe ich bemerkt, dass ich im Homeoffice nicht mehr produktiv genug arbeiten konnte. Dies hatte mehrere Gründe, zu denen ich noch kommen werde. Also habe ich mich dazu entschieden, in unserer wunderschönen Stadt Altena ein kleines Ladenlokal anzumieten, in dem ich nun meine Tätigkeiten ausüben kann. Ich möchte auf Projektieren.de darüber berichten, da sicherlich auch einige von euch mit diesen Gedanken spielen, sie bereits umgesetzt haben, oder sich viel wohler zuhause fühlen.

Homeoffice – die letzten Monate

HomeofficeIn unserem Haus hatte ich ein schönes, kleines Büro im Erdgeschoss. Ich habe es immer genossen, diese Freiheit zu haben, von zu Hause aus arbeiten zu dürfen. Mal eben in die Küche was zu essen machen, mal eben mit dem Hund raus ins Grüne, mal eben die Arbeit unterbrechen, um mit Kind oder Familie einkaufen zu fahren – all das klingt toll. All das kann Einem aber auch zum Verhängnis werden.

 

Homeoffice – 1. Abzug: die Umgebung

Gerade die oben erwähnten Dinge gehen einem im Laufe der Zeit gehörig auf die Nerven. Ständig wird man abgelenkt, oder man lenkt sich selbst ab. Man benötigt schon extrem viel Disziplin, um im Homeoffice effektiv arbeiten zu können. Man muss lernen, Nein zu sagen. Es muss ganz klar abgesteckt sein: Wenn ich im Büro bin, dann hab ich verdammt nochmal nicht gestört zu werden! Genauso sollte man sich feste Zeiten setzen, in denen man das Büro verlassen kann. „Mal eben“ in die Küche ist dann verboten, wenn gerade keine Pause ist.
Ich habe das vor allem in den letzten Monaten nicht mehr hinbekommen. Was daraus resultiert: Schlechte Laune, Konzentrationsstörungen, schlechte Produktivität.

Homeoffice – 2. Abzug: Mangelnde Kommunikation

Klar ist es schön, immer, wenn es geht, seine Familie sehen zu können. Aber wie ist das mit Gleichgesinnten? Zuhause spielt sich bei mir viel über Skype ab. Mit den meisten Kollegen wird geschrieben. Zu Gesicht bekommt man immer nur dieselben Leute. Was mir am Ende gefehlt hat, ist das quatschen mit anderen und neuen Personen. Auch das kann die „Birne frei“ machen und die Produktivität erhöhen.

Homeoffice – 3. Abzug: Nie abschalten können

Ich kenne das noch aus meiner Zeit des Domainhandels und Snappens: Ich bin abends immer mal wieder ins Büro gegangen, um zu schauen, ob ich irgendetwas verpasst habe. Mails checken vorm ins Bett gehen, schauen, ob noch eine Domain frei geworden ist, neue Ideen planen und spontan entscheiden: „Ach, das setz ich doch am besten heut Abend noch schnell um“ – um dann viel zu spät ins Bett zu fallen und mit viel zu wenig Schlaf wieder aufzuwachen. Entspannung = Null. Je später die Abende, umso unproduktiver die Vormittage, die ja eigentlich die wichtigste Zeit des Arbeitslebens sein sollten.

Ladengeschäft / Office in der Innenstadt – alles besser?

Office / AgenturIch habe zu Beginn des Monats einen kleinen Laden in einer für Altenaer Verhältnisse sehr guten Lage angemietet und mich bisher notdürftig mit Inventar aus dem Homeoffice eingerichtet. Bisher steht hier nur mein Schreibtisch, ein Expedit Regal – und ein zweiter Schreibtisch, den ich noch günstig dazugekauft habe. Später sollen noch weitere Dinge hinzukommen. Couch, Couchtisch, Beamer, was man so braucht 😉

Seit knapp einer Woche sitze ich hier nun jeden Tag im „neuen Headquarter“ und merke tatsächlich, dass fast alles besser läuft. Ich habe feste Zeiten, klare Strukturen. Natürlich kann ich hier auch mal eine Stunde länger machen, aber dann wird der Rechner tatsächlich ausgemacht und der Arbeitstag ist vorbei. Das funktioniert bislang gut und ich merke, wie gut mir das tut. Es ist wieder Zeit, Abends etwas „normales“ zu machen, Fussballtraining, Laufen gehen, Leute treffen – das geht wieder und sorgt vor allem für die nötige Abwechslung, die der „Internetfuzzi-Kopf“ nun mal braucht.

Ebenso Vorteilhaft ist, dass man in einem Ladengeschäft oder Büro in der Innenstadt auch mal jemanden beschäftigen kann, sei es einen Praktikanten, oder einen festen Mitarbeiter. Je nach Wohnsituation geht sowas sicherlich auch im Homeoffice, doch finde ich es um einiges praktischer, wenn man hier Privat von Geschäft deutlich trennt.

Lokale Kundengewinnung – besser über Ladengeschäft?

Mein Hauptanliegen bei der Wahl des Ladenlokals war es, wieder in Ruhe, konzentriert und effektiv arbeiten zu können. Aber ein weiterer Vorteil kommt hinzu: Ich bin fest davon überzeugt, dass, gerade in kleinen Städten wie Altena, in der es zwar eine starke Industrie gibt, aber das Thema Websites und vor allem Seo und Onlinemarketing überhaupt nicht verbreitet ist, die handelnden Personen lieber in ein Ladengeschäft gehen, um sich über ein Produkt zu informieren, als bei Jemandem anzurufen, der Zuhause in seinem Büro sitzt.
So werde ich zukünftig mein Schaufenster dazu nutzen, um Aufklärungsarbeit zu betreiben. Im sichtbaren Bereich werden Tagsüber und Abends Präsentationen laufen, darüberhinaus kann man das Fenster mit Referenzen verschönern.
Weiterhin ist mir die Idee gekommen, den Laden für abendliche Veranstaltungen zu nutzen. So kann man Themenabende machen, Schulungen veranstalten, und vieles mehr. Über die Möglichkeiten bin ich sehr begeistert – ich hoffe, das hält noch eine Weile so an und ich werde mit meiner Entscheidung auf lange Sicht richtig liegen.

Mich würde interessieren, ob ihr diesbezüglich bereits Erfahrungen gemacht habt? Seid ihr die Homeoffice Verfechter, oder geht es euch mittlerweile auch nicht mehr so gut damit? Habt ihr den Schritt zum Ladenlokal oder Büroraumen in der Stadt bereits gewagt? Ich freue mich über regen Austausch!

Ich mach jetzt meinen Rechner aus. Gleich ist Bundesliga 😉

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17 Kommentare

  1. 23. September 2014 at 23:27 — Antworten

    Sehr guter Artikel, Jens! Die Probleme des Homeoffice kenne ich nur zu gut. Ich werde in absehbarer Zeit auch nach einer andere Alternative suchen. Mach weiter so! projektieren.de gefällt mir sehr gut!

  2. Marius
    24. September 2014 at 07:01 — Antworten

    Hi Jens,

    cool, dass du diese Erfahrungen teilst, mal was erfrischend anderes im Vergleich zu dem normalen Blabla.

    Jeder der Kinder und/oder eine liebe Freundin/Frau hat weiß, wie die räumliche Trennung an einem nagen kann. Man stellt sich vor, wie schön es wäre zu Hause präsent zu sein, mit anzupacken oder generell einfach die Gesellschaft seiner Liebsten zu genießen. Das Arbeitsleben wird verteufelt und am liebsten würde man auf dem Bio-Bauernhof leben.

    Wenn man längere Zeit zu Hause war, kommen dann wiederum die Punkte zum Tragen, die du hier im Artikel schon genannt hast. Jedem Menschen tut es gut, auch mal „Zeit für sich“ zu haben bzw. auch mal anderen Personen zu begegnen als einem eingeschworenen Kreis. Das bedeutet nicht, dass man seine Familie nicht abgöttisch liebt und alles für sie hinschmeißen würde. Aber diese Abwechslung ist fundamental wichtig, allein um mit neuen Erfahrungen auch neue Ideen oder Impressionen ins Familienleben zu bringen.

    Ich denke den perfekten Lebensentwurf gibt es nicht. Selbstbestimmtes Arbeiten ist ein hohes Gut. Mit der Arbeitsintensität ist es dabei wie mit allem zu halten: zu viel ist auch nicht gut. Was nützt es der erfolgreichste Marketingspinner zu sein und sich mit charakterlosen Kommerz-Geiern zu umgeben und dafür die Zeit mit den Menschen zu opfern, die einen wirklich für das lieben, was man ist. Ich denke heutzutage haben wir das Privileg wählerisch sein zu dürfen. Nur müssen wir vor der „dunklen Seite der Macht“ achtgeben 😉

    So ich drifte ab, danke für dein Schriftgut!!

    Marius

    • 24. September 2014 at 09:21 — Antworten

      Sehr treffend von dir formuliert, Marius! Danke für deinen Kommentar.

  3. 24. September 2014 at 09:55 — Antworten

    Hallo Jens,

    ich kann jedes einzelne Wort nachvollziehen. Ich arbeite seit Anfang des Jahres auch im Home Office und muss hier wieder raus. Anfangs war alles ziemlich cool und die Produktivität auch auf einem hohen Level. Leider hat es nachgelassen. Der Weg ins eigene Büro macht langfristig mehr Sinn, um 1. produktiver zu sein und 2. Arbeit und Privatleben zu trennen.

    Beste Grüße,

    Guido

  4. Alexander
    24. September 2014 at 09:58 — Antworten

    Habe erst im Keller ein Büro mit WC für etliche tausend Euros machen lassen. Da kann ich nicht mehr weg :) Was schöneres als Zuhause zu arbeiten, natürlich getrennt vom Wohnraum, gibt es doch gar nicht. Ich weiß, wie es ist, 60 km am Tag in Büro zu fahren, wo man die Arbeit hasst.

    • 24. September 2014 at 10:01 — Antworten

      Wenn man so konsequent ist, und wirklich die Trennung innerhalb des Hauses durchzieht, dann kann das durchaus funktionieren. Mir hat glaube ich am Ende die Kraft gefehlt.
      Und in die Innenstadt fahre ich nur 5 Minuten, das ist schon okay 😉

  5. Alexander
    24. September 2014 at 10:07 — Antworten

    Na, ich bin auch in der Situation, dass meine Frau arbeiten geht und ich keinen Nachwuchs habe (außer 2 nicht zu kontrollierende Katzen). Wenn die Familie den ganzen Tag daheim ist, stelle ich mir auch schwer vor.

  6. Thomas
    24. September 2014 at 10:38 — Antworten

    Jens, ich kann Deine Argumentation in Pro und Contra gut nachvollziehen. Ich arbeite seit etwa vier Jahren nach einem „Mischmodell“: von Montag bis Donnerstag außer Haus in meinem Büro in unserer Klinik, wobei ich nicht ausschließlich im Internet tätig bin und freitags habe ich „Homeoffice-Tag“. Für mich stellt dieses Modell die ideale Kombination dar zwischen strengem Reglement und „Laisser faire“.

    LG
    Thomas

  7. 24. September 2014 at 11:46 — Antworten

    „Das Gras auf der anderen Seite des Zauns ist immer grüner“. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Was für mich jedenfalls gar nicht ginge: Ein Arbeitsweg von mehr als 15 Minuten, egal ob zu Fuß, Auto oder Öffi.

    Ich habe das Glück, schönste Agenturräume direkt unter unserer Wohnung zu haben. Raus aus der Tür, Treppe runter, rein ins Büro. Das ist nah genug und doch perfekt getrennt.

  8. 24. September 2014 at 15:14 — Antworten

    ein richtiges Office ist viel wert.
    Wenn du ein eigenes Haus hast mit einem seperaten Eingang für das Office ist es fast genauso gut.
    Aber die Trennung halte ich für sehr wichtig. Wenn ich einen Domainer oder oder jemand anderen zu hause ins Office einlade spreche ich das i.d.R. mit meiner Frau ab. Im Büro ist das völlig egal, ich hatte zuvor für die Firma ein Haus am Rande einer Gewerbezone gemietet, anfang des Jahres sind wir dann ins Gewerbegebiet in professionelle Büros gezogen. Das war nochmals ein Upgrade. Richtige IT Verkabelung, kein DSL sondern 100 MB/s Fiber, ausreichend Parkplätze. Das hat eine ganz andere Qualität!

  9. 24. September 2014 at 15:54 — Antworten

    Einen ähnlichen Weg habe ich auch hinter mir, inzwischen ist diese Entscheidung rund 8 Jahre her. Trotz eigenem Büroraum daheim, fahre ich lieber in mein 10 km entferntes Büro. Natürlich werden kleinere Dinge vorher oder nachher noch aus dem Homeoffice erledigt, aber die echte Arbeitszeit verbringe ich im Büro. Den Vorteil im Umgang mit Kunden und Mitarbeitern sehe ich da genauso wie Du. Obwohl ich kein Ladengeschäft mehr haben möchte, das bedeutet auch viel Störung zwischendurch. Das Telefon reicht mir und auch im Büro klingelt mal einer …
    Viel Erfolg wünsche ich Dir!

  10. 30. September 2014 at 00:52 — Antworten

    Sehr schöner Artikel, der es ganz genau auf den Punkt bringt. Ich hatte schon beides, also ein externes Büro und nun bin ich im Home-Office. Grund sind und waren meine beiden Stopsel, die ich nicht mit ins Büro schleppen wollte und ihnen auch die 20 km (einfach) Autofahrt tagtäglich zumuten wollte. Und zum Arbeiten wäre ich da wohl auch nicht gekommen :) Die Situation wird sich wohl erst wieder ändern, wenn beide in den Kindergarten gehen und ich mich wieder 100% auf die Arbeit konzentrieren kann.

    Ich würde sehr gern beruflich und privat trennen, leider gelingt mir das im Home-Office als Texterin nicht immer. Man kann ja auch abends oder am Wochenende noch mal schnell bei FB & Co reinschauen oder prüfen, ob wichtige Mails angekommen sind.

    Das nervt mich selber, aber richtig abschalten geht halt nicht immer. Daher freu ich mich, wenn ich im nächsten Jahr wieder „zur Arbeit fahren“ kann, und auch mal richtig Feierabend machen und den Schlüssel vom Geschäft umdrehen kann :)

  11. 6. Februar 2015 at 09:46 — Antworten

    kommt sicher auch auf die individuelle Situation an, ob man sich die Gedanken über ein Ladenlokal macht … Ich persönlich finde gerade die Reize eines Home-Office wesentlich kreativer …

  12. 11. Oktober 2015 at 08:55 — Antworten

    Nun ist mehr als ein Jahr seit dem Selbstexperiment vergangen.
    Wie die bisherigen Kommentare zeigen, gibt es offensichtlich viele, die in einer ähnlich „Zwickmühle“ stecken und sicherlich gespannt sind, wie die Bilanz der ersten 12 Monate ausgefallen ist. :-)

  13. 8. Februar 2016 at 21:00 — Antworten

    Es ist interessant nicht nur den Artikel, sondern auch die Kommentare zu lesen. Ein aktuelles Thema auch für mich. Ich persönlich finde im Homeoffice zahlreiche Vorteile.

  14. 11. April 2016 at 04:05 — Antworten

    Meiner Erfahrung nach ist es auch schon sehr schwierig, wenn Büro und Arbeitsplatz sehr nach beieinander-liegen.
    Oder sogar im selben Haus (oben Wohnung, unten Büro).

    Sobald etwas ist und man nicht im Büro ist, hat man alles privat am Hals. Leute kommen vorbei, der Mitarbeiter hat was vergessen, bittet kurz aufzuschließen usw.)

    Daher ist eine gewissen Distanz von Arbeitsstätte und Heim gut. Beim Heimbüro ist das natürlich alles noch viel extremer.

  15. 29. Mai 2016 at 19:30 — Antworten

    Spannender Artikel, ich sehe das genauso. Hab auch beide Varianten ausprobiert und bin nun bei einem Mischmodell hängen geblieben: 2 Tage die Woche im Coworking-Space, 3 Tage Homeoffice. Für mich ideal, um Abwechslung zu haben und produktiv zu bleiben.

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Jens

Jens

Webworker - SEO, Domain Expert, Onlinemarketer. Da ich seit 1996 in viele Bereiche des Onlinemarketings reingeschnuppert habe, kenn ich mich mit vielen Dingen, die das Internet bietet aus. Angefangen von Suchmaschinenoptimierung, über Programmierung umfangreicher Scripte und Tools (PHP, Java, ...), bis hin zu kompletten Onlinestrategien. Interessieren dich meine Beiträge, folge mir auf Twitter, Facebook oder Google+.

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